Heimsauna im Bestand: Warum zuerst gemessen und dann gekauft wird
Bei der Heimsauna im Bestand entscheidet nicht der Katalog, sondern der Raum. Wer eine Kabine für zwei Personen unterbringen will, braucht rund 2,10 mal 1,90 Meter freie Fläche und 2,10 Meter lichte Höhe. In einem Altbaukeller mit 1,95 Metern Höhe endet die Planung an dieser Stelle, unabhängig davon, wie viel Geld zur Verfügung steht. Deshalb wird zuerst gemessen und erst danach ausgesucht.

In welcher Reihenfolge wird eine Heimsauna geplant?
Geplant wird in fünf Schritten: Raum vermessen, Feuchte prüfen, Stromanschluss klären, Kabinengröße festlegen, Lüftung planen. Erst danach folgt die Auswahl des Modells. Wer umgekehrt vorgeht, findet regelmäßig heraus, dass die gewünschte Kabine nicht hineinpasst.
Die Reihenfolge ist kein Ratschlag, sondern folgt aus Abhängigkeiten. Die Kabinengröße hängt von der Raumhöhe ab, die Ofenleistung von der Kabinengröße, der Stromanschluss von der Ofenleistung und die Lüftung von beidem.
Vermessen wird an der ungünstigsten Stelle. Kellerdecken sind selten eben, Rohre und Unterzüge verringern die lichte Höhe punktuell, und genau dort steht später eine Kabinenecke.
Merke: Erst der Raum, dann der Ofen, zuletzt der Katalog.
Der zweite Schritt entscheidet darüber, ob die Kabine überhaupt haltbar ist.
Welcher Raum eignet sich für eine Heimsauna?
Geeignet ist ein trockener, beheizbarer Innenraum mit einer relativen Luftfeuchte unter 65 Prozent, festem Boden und einer Lüftungsmöglichkeit. Ungeeignet sind feuchte Altbaukeller ohne Abdichtung, ungedämmte Dachböden und Garagen.
Die Feuchte lässt sich für 15 Euro mit einem Hygrometer über mehrere Wochen messen. Entscheidend ist nicht der Tageswert, sondern der Verlauf über einen feuchten Sommer, denn genau dann sind Kellerwände kühler als die Raumluft und Kondenswasser fällt aus.
Kabinenwände bestehen aus verleimtem Vollholz und arbeiten mit der Raumfeuchte. In einem Raum mit dauerhaft 80 Prozent quillt die Verleimung, Paneele wölben sich, und die Tür schließt nach zwei Jahren nicht mehr sauber.
Der Bodenbelag muss feuchtebeständig sein. Fliesen oder versiegelter Estrich sind unproblematisch, Teppich und unversiegeltes Holz unter der Kabine speichern Feuchtigkeit.
Merke: Unter 65 Prozent Luftfeuchte über ein ganzes Jahr, sonst verzieht sich die Kabine.
Ist der Raum geeignet, folgt die Frage nach dem Strom.
Welcher Stromanschluss ist nötig?
Saunaöfen bis 4,5 Kilowatt laufen an 230 Volt mit einer Absicherung von 16 Ampere. Größere Öfen ab 6 Kilowatt brauchen einen Starkstromanschluss mit 400 Volt und einem eigenen Stromkreis. Eine Kabine für zwei Personen liegt bei 6 bis 7,5 Kilowatt.
Zur Einordnung: 7,5 Kilowatt entsprechen etwa vier gleichzeitig laufenden Wasserkochern. Diese Last trägt kein gewöhnlicher Haushaltsstromkreis.
Der Anschluss ist Sache eines eingetragenen Elektrofachbetriebs. Die Leitung zum Ofen muss silikonisoliert sein, weil normale Kunststoffisolierungen im Ofenbereich verspröden, und eine Fehlerstromschutzeinrichtung ist vorgeschrieben.
Die Kosten für Leitung, Absicherung und Anschluss liegen bei 600 bis 1.500 Euro, abhängig von der Entfernung zum Verteiler. In Altbauten, in denen die Leitung durch mehrere Wände geführt werden muss, liegt der Wert am oberen Ende.
Merke: Ab 4,5 Kilowatt Starkstrom, und die Leitung wird vor der Kabinenlieferung gelegt.
Mit Raum und Strom steht der Rahmen, jetzt geht es um Zentimeter.
Wie viel Platz braucht welche Kabine?
Für zwei Personen reicht ein Kabinenmaß von rund 1,80 mal 1,60 Meter, für drei bis vier sind es etwa 2,00 mal 1,80 Meter. Zur Kabinenfläche kommen 5 bis 10 Zentimeter Wandabstand auf den Rückseiten und der Schwenkbereich der nach außen öffnenden Tür.
| Personen | Kabinenmaß | Benötigte freie Fläche | Ofenleistung |
|---|---|---|---|
| 1 bis 2 | 1,60 x 1,40 m | 1,90 x 1,70 m | 4,5 bis 6 kW |
| 2 | 1,80 x 1,60 m | 2,10 x 1,90 m | 6 bis 7,5 kW |
| 3 bis 4 | 2,00 x 1,80 m | 2,30 x 2,10 m | 7,5 bis 9 kW |
| 4 bis 6 | 2,40 x 2,00 m | 2,70 x 2,30 m | 9 bis 12 kW |
Die Liegelänge ist das Maß, das über den Komfort entscheidet. Wer liegend saunieren will, braucht eine Innenlänge von mindestens 1,80 Metern auf der oberen Bank. Kabinen mit 1,60 Metern Kantenlänge erlauben nur Sitzen.
Die lichte Höhe von 2,10 Metern ist nicht verhandelbar, weil die Kabine selbst rund 2,00 Meter hoch ist und darüber Luft bleiben muss. Bei 2,00 Metern Raumhöhe scheiden Standardkabinen aus, dann bleiben nur Sonderanfertigungen mit niedrigerem Aufbau.
Merke: Zum Kabinenmaß kommen 30 Zentimeter in Länge und Breite dazu.
Ein Bauteil fehlt in dieser Rechnung und wird trotzdem am häufigsten vergessen.
Warum braucht der Raum eine eigene Lüftung?
Bei einem Saunaabend gelangen mehrere Liter Wasser als Dampf in den umgebenden Raum. Ohne Lüftung steigt dort die Luftfeuchte, und an kalten Außenwänden fällt Kondenswasser aus. Ein Abluftventilator mit 60 bis 120 Kubikmetern je Stunde und Nachlaufsteuerung löst das für 150 bis 350 Euro.
Der kritische Fall ist der fensterlose Kellerraum, in dem sich der gesamte Feuchteeintrag sammelt. Ein Fenster zum Querlüften genügt, wo eines vorhanden ist, aber es muss nach dem Saunagang auch tatsächlich geöffnet werden.
Die Nachlaufsteuerung ist der Grund, warum der Ventilator funktioniert. Sie lässt ihn nach dem Abschalten noch 45 bis 60 Minuten weiterlaufen, und genau in dieser Zeit verlässt der größte Teil der Feuchtigkeit den Raum.
Die Kabine selbst trägt Zu- und Abluftöffnungen mit eigenen Vorgaben, die neben der Raumlüftung stehen und nicht durch sie ersetzt werden. Sie sind in jeder Montageanleitung beschrieben und werden beim Selbstaufbau regelmäßig übersprungen, weil die Öffnungen nicht vorgestanzt sind.
Merke: Die Kabine hat ihre eigene Lüftung, der Raum braucht zusätzlich eine.
Steht alles, lässt sich die Rechnung aufmachen.
Was kostet eine Heimsauna insgesamt?
Für eine Kabine mit zwei Personen fallen im Bausatz rund 2.500 bis 5.000 Euro an, als Elementkabine 5.000 bis 12.000 Euro. Hinzu kommen Ofen, Elektroanschluss, Raumlüftung und gegebenenfalls Bodenarbeiten mit zusammen 1.200 bis 3.500 Euro.
Die Nebenkosten werden regelmäßig unterschätzt. Ein Beispiel für eine Zweipersonenkabine im Kellerraum:
- Bausatz mit Ofen und Steuerung: rund 3.400 Euro
- Elektroanschluss 400 Volt über 12 Meter: rund 950 Euro
- Abluftventilator mit Nachlauf: rund 280 Euro
- Bodenvorbereitung und Ausgleich: rund 250 Euro
- Saunasteine, Kübel, Thermometer: rund 140 Euro
Zusammen ergibt das rund 5.020 Euro, von denen nur zwei Drittel auf die eigentliche Kabine entfallen.
Im Betrieb kommen bei zwei Saunaabenden pro Woche und je drei Stunden Betriebszeit rund 22 Kilowattstunden wöchentlich zusammen, also etwa 366 Euro im Jahr bei 0,32 Euro je Kilowattstunde. Das entspricht ungefähr sechzehn Thermenbesuchen.
Merke: Ein Drittel der Gesamtkosten entfällt auf alles, was nicht die Kabine ist.
Wann rechnet sich eine Heimsauna?
Die Rechnung geht bei wöchentlicher Nutzung nach sechs bis acht Jahren auf, bei zwei Saunaabenden pro Woche nach drei bis vier. Wer seltener als einmal im Monat sauniert, kauft ein Möbelstück, kein Wirtschaftsgut.
Der Vergleichswert ist der Thermenbesuch mit 18 bis 30 Euro. Ein Abend in der eigenen Kabine kostet an Strom rund 3,50 Euro, dazu anteilig die Investition.
Was die Rechnung nicht abbildet, ist die Schwelle. Eine Sauna im eigenen Keller wird spontan genutzt, ein Thermenbesuch will geplant werden. In der Praxis steigt die Nutzungshäufigkeit nach dem Einbau deutlich über das, was vorher an Besuchen stattfand.
Der ehrlichste Prüfwert bleibt trotzdem der Kalender des vergangenen Jahres. Wer dreimal in der Therme war, sollte vor dem Kauf ein halbes Jahr lang bewusst häufiger hingehen und danach erneut entscheiden.
Merke: Unter einer Nutzung pro Monat rechnet sich keine Heimsauna, egal wie günstig die Kabine war.