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E-Bike kaufen: Die drei Entscheidungen vor allen anderen

Beim E-Bike-Kauf fallen drei Entscheidungen vor allen anderen: Motorposition, Akkukapazität und Rahmenform. Sie legen fest, wie sich das Rad fährt, wie weit es kommt und wie leicht der Aufstieg gelingt. Alles Weitere, von der Schaltung bis zum Gepäckträger, lässt sich nachrüsten oder tauschen. Ein Mittelmotor mit 500 Wattstunden Akku deckt den größten Teil der Alltagsfälle ab.

E-Bike mit Mittelmotor und Rahmenakku

Was unterscheidet Pedelec, S-Pedelec und E-Bike?

Das Pedelec unterstützt bis 25 Kilometer pro Stunde und nur beim Treten, gilt rechtlich als Fahrrad und braucht weder Versicherung noch Helmpflicht. Das S-Pedelec unterstützt bis 45, ist ein Kleinkraftrad mit Kennzeichen, Helmpflicht und Führerscheinklasse AM.

Im Alltagsgebrauch meint E-Bike fast immer das Pedelec. Der technisch korrekte Begriff für ein Rad mit Gasgriff ohne Tretbewegung ist E-Bike, diese Bauart spielt in Deutschland aber kaum eine Rolle.

Die Unterschiede sind praktisch erheblich. Ein S-Pedelec darf Radwege innerorts nicht benutzen, braucht einen Rückspiegel, ein Versicherungskennzeichen für rund 70 Euro im Jahr und einen Helm nach Motorradnorm.

Die Motorleistung ist bei beiden auf 250 Watt Nenndauerleistung begrenzt. Der Unterschied liegt allein in der Abregelgeschwindigkeit, nicht in der Kraft des Motors.

Merke: Wer auf Radwegen fahren will, bleibt beim Pedelec mit 25 Kilometern pro Stunde.

Die Bauart des Motors bestimmt anschließend das Fahrgefühl.

Welche Motorposition passt zu welchem Einsatz?

Der Mittelmotor sitzt am Tretlager, treibt über die Kette an und nutzt die Gangschaltung mit. Der Nabenmotor sitzt im Vorder- oder Hinterrad und arbeitet unabhängig von der Schaltung. Mittelmotoren dominieren bei Trekking- und Bergeinsatz, Nabenmotoren im flachen Stadtverkehr.

Merkmal Mittelmotor Hinterradnabenmotor
Schwerpunkt tief und mittig hinten und hoch
Steigungen kraftvoll, nutzt die Gänge verliert bei niedriger Trittfrequenz
Geräusch leises Surren unter Last nahezu lautlos
Verschleiß an Kette erhöht unverändert
Preis 400 bis 800 Euro Aufpreis Bezugswert

Der Mittelmotor ist im hügeligen Gelände die klar bessere Wahl. Er wandelt über die Gänge Drehzahl in Kraft um und schafft damit Steigungen, an denen ein Nabenmotor überhitzt oder nur zäh zieht.

Der Nabenmotor spielt seine Stärken im flachen Stadtverkehr aus. Er arbeitet praktisch geräuschlos, belastet die Kette nicht zusätzlich und kostet deutlich weniger.

Ein Drehmoment von 50 Newtonmetern reicht in flachem Gelände, 65 bis 75 sind der Standard für Trekking, 85 und mehr gehören ans E-Mountainbike. Zur Einordnung: 75 Newtonmeter entsprechen etwa der Kraft, mit der ein trainierter Fahrer kurzzeitig in die Pedale tritt.

Merke: Hügel verlangen Mittelmotor, flache Stadt verträgt den Nabenmotor.

Die zweite Kernentscheidung betrifft die Energiemenge.

Wie groß muss der Akku sein?

Für Wege bis 30 Kilometer am Tag reichen 400 Wattstunden, für gemischte Touren bis 60 Kilometer sind 500 bis 625 üblich, für Bergfahrten oder Lastentransport 750 und mehr. Die Kapazität in Wattstunden ist die einzige belastbare Vergleichszahl zwischen Modellen.

Angaben in Amperestunden allein taugen nicht zum Vergleich, weil sie ohne die Spannung unvollständig sind. Wattstunden ergeben sich aus beidem und lassen sich direkt gegenüberstellen.

Zur Einordnung: 500 Wattstunden entsprechen etwa dem Energieinhalt von 50 Gramm Benzin oder dem halben Tagesverbrauch eines Kühlschranks. Für 20 Cent Strom lädt sich ein solcher Akku komplett.

Ein größerer Akku wiegt mehr und kostet mehr. Der Sprung von 500 auf 750 Wattstunden bringt rund 1,3 Kilogramm zusätzliches Gewicht und 300 bis 500 Euro Aufpreis.

Welche Strecke sich daraus tatsächlich ergibt und welche Faktoren sie verkürzen, behandelt der Beitrag zur Streckenleistung eines Akkus.

Merke: Wattstunden vergleichen, nicht Amperestunden. Alles andere führt in die Irre.

Beim Rahmen entscheidet weniger die Optik als das Einsteigen.

Welche Rahmenform und Rahmengröße sind richtig?

Der Diamantrahmen ist am steifsten und am leichtesten, der Trapezrahmen bietet einen tieferen Einstieg bei guter Steifigkeit, der Wave-Rahmen erlaubt den Einstieg ohne Bein über den Sattel. Die Rahmengröße folgt aus der Schrittlänge, nicht aus der Körpergröße.

Die Schrittlänge wird barfuß mit einem Buch zwischen den Beinen an der Wand gemessen. Multipliziert mit 0,66 ergibt sich die Rahmenhöhe für Trekkingräder in Zentimetern.

Ein Beispiel macht das greifbar. Bei 85 Zentimetern Schrittlänge ergibt die Rechnung 56 Zentimeter Rahmenhöhe, was üblicherweise der Größe L entspricht.

Der tiefe Einstieg ist bei einem E-Bike wichtiger als bei einem unmotorisierten Rad. Ein Trekking-Pedelec wiegt 24 bis 28 Kilogramm, und das Bein über einen beladenen Gepäckträger zu heben gelingt mit den Jahren schlechter.

Merke: Rahmengröße aus der Schrittlänge mal 0,66, Rahmenform nach dem Einstieg.

Vor dem Kauf bleibt die Frage nach der Bezugsquelle.

Wo wird ein E-Bike am besten gekauft?

Der Fachhandel vor Ort bietet Probefahrt, Rahmenanpassung, Erstinspektion und die Abwicklung von Garantiefällen. Der Onlinekauf ist 10 bis 20 Prozent günstiger, verlagert aber Montage, Einstellung und spätere Reparatur auf den Käufer.

Der Unterschied zeigt sich im Garantiefall. Ein defekter Motor wird im Fachhandel getauscht, während beim Onlinekauf Ausbau, Versand und Wartezeit anfallen, in denen das Rad nicht nutzbar ist.

Die Probefahrt ist durch nichts zu ersetzen. Motorcharakteristik, Sitzposition und Geräuschentwicklung lassen sich aus keiner Beschreibung ableiten, und zwei Räder mit gleicher Datenlage fahren sich sehr unterschiedlich.

Wer die Auswahl zunächst online eingrenzen will, findet auf Portalen wie fahrrad-meister.com eine Übersicht über Modelle und angeschlossene Fachbetriebe und kann die engere Auswahl dann vor Ort probefahren.

Gebrauchte Räder verlangen einen Blick auf den Akkuzustand. Die Ladezyklen lassen sich über die Diagnosesoftware des Fachhandels auslesen, und ab etwa 700 Zyklen ist mit spürbarem Kapazitätsverlust zu rechnen.

Merke: Online eingrenzen, vor Ort probefahren, dort kaufen, wo später repariert wird.

Welche Fehler treten beim E-Bike-Kauf am häufigsten auf?

Am häufigsten werden ein zu kleiner Akku, eine falsche Rahmengröße, zu schwache Bremsen und eine ungeprüfte Sitzposition gewählt. Alle vier lassen sich nachträglich nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht korrigieren.

Der zu kleine Akku ist der Fehler mit der längsten Wirkung. Ein Nachrüstakku passt nur zum selben System, und ein zweiter Akku kostet 500 bis 900 Euro, also fast so viel wie der Aufpreis für die größere Variante beim Kauf.

Bei den Bremsen gilt das Gewicht als Maßstab. Ein E-Bike wiegt mit Fahrer und Gepäck schnell 120 Kilogramm, weshalb hydraulische Scheibenbremsen mit mindestens 180 Millimetern Scheibendurchmesser der Standard sind.

Die Sitzposition wird beim Kauf selten geprüft, weil die Probefahrt kurz ausfällt. Beschwerden in Handgelenken, Nacken und Schultern zeigen sich erst nach 20 Kilometern, und die Ursache liegt meist in der Lenkerposition, die sich im Beitrag zur Einstellung von Lenker und Vorbau korrigieren lässt.

Merke: Beim Akku eine Stufe größer wählen. Nachrüsten kostet fast doppelt so viel.